“Starfighters” und “Vikings”

Ende der fünfziger Jahre entschied sich die Luftwaffe zur Bildung von Kunstflug-Teams, um der deutschen Öffentlichkeit die Fähigkeiten ihrer jungen Flugzeugführer demonstrieren zu können. In Landsberg bei der Flugzeugführerschule A begann man im Sommer 1959 mit dem Aufbau eines Fouga-Magister-Teams, während in Fürstenfeldbruck bei der Flugzeugführerschule B ab Frühjahr 1961 eine Viererformation T-33 Kunstflug trainierte.
Der Großflugtag in Fürstenfeldbruck am 24. September 1961 war die erste Gelegenheit, deutsche F-104 der Öffentlichkeit vorzustellen. Man verlegte sechs F-104F der WaSLw 10 für diese Veranstaltung nach „Fürsty" und führte erstmalig eine Starfighter Viererformation in mehreren Vorbeiflügen vor. Gleichzeitig auch wurde hier die Idee geboren, ein F-104-Team für zukünftige Veranstaltungen zu bilden.

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Begrüßung der F-104F-Piloten durch Bundes-Verteidigungsminister   Franz-Josef Strauß, General Josef Kammhuber und Generalmajor Werner Panitzki nach der Flugvorführung in Fürstenfeldbruck: (von rechts) Oberleutnant Willing, Oberleutnant Liedtke, Oberleutnant Frye, Oberleutnant B. Kuebart, Oberleutnant Sensen, Captain Jones, First Lieutenant Speer.

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Vorführung und Viererformations-Landung am 24. September 1961 in Fürstenfeldbruck.

Man erprobte in den kommenden Monaten im Routineflugbetrieb in Nörvenich Zwei-, Drei- und Vier-Ship-Formationen. Im Frühjahr 1962 wurde die Team-Bildung (Vier-Ship plus ein Solo) vom Inspekteur der Luftwaffe genehmigt, vorgesehene Flugmanöver sollten schwerpunktmäßig die Fähigkeiten der F-104 im Bereich des Einsatzflugbetriebes und als Kunstflugmaschine demonstrieren. Das intensive Training begann im Anschluß an die Genehmigung. Die erste offizielle Vorführung war für den 20. Juni 1962, den Tag der Indienststellung des JaboG 31 „B" in Nörvenich mit dem Starfighter, vorgesehen.

Am 19. Juni war ein abschließender Übungsflug vor den Augen des Inspekteurs der Luftwaffe, General Josef Kammhuber, geplant. Mit dem Rufzeichen „Starfighters" hoben am frühen Nachmittag dieses 19. Juni Captain Jon Speer (USAF) als „Lead" und die Oberleutnante Heinz Frye als Nummer Zwei, Bernd Kuebart Nummer Drei und Wolfgang von Stürmer Nummer Vier von der Startbahn in Nörvenich ab. Major Thomas Perfili (USAF) wartete als „Starfighter Fünf" in der Halteposition neben der Startbahn auf seinen etwa 15 Minuten später geplanten Solo-Einsatz. Circa zehn Minuten nach dem Start stürzte jedoch die Vier-Ship-Formation nach einer hochgezogenen Rechtskurve östlich des Fliegerhorstes ab. Im Verlauf dieser Kurve war die Formation in eine Wolkendecke geraten, Captain Jon Speer als Führer der Formation hatte wahrscheinlich die räumliche Orientierung verloren und war mit einem zu steilen Winkel aus den Wolken herausgeflogen. Der Versuch, die Sinkrate unterhalb der Wolken zu brechen, mißlang. Die Formation schlug im Bereich einer Braunkohlengrube auf, die vier Piloten fanden den Tod.
Als Folge dieses tragischen Unfalls wurden für den gesamten Bereich der Luftwaffe weitere Team-Vorführungen verboten, die in Landsberg und Fürstenfeldbruck bestehenden KunstflugTeams mit sofortiger Wirkung aufgelöst. Bis zum heutigen Tag hat die Luftwaffe den Gedanken von Formations-Vorführungen nicht wieder aufgegriffen.

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Trauerfeier am 22. Juni 1962 in Nörvenich: Der Inspekteur der Luftwaffe, General Josef Kammhuber, bei seiner Ansprache. Rechts in der ersten Sitzreihe der Bundes-Verteidigungsminister Franz-Josef Strauß.

Auszüge aus dem Nachruf für die vier abgestürzten Piloten im „Echo 31", der Geschwaderzeitung des JaboG 31 „Boelcke".

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Bei den Marinefliegern jedoch entwickelte sich im Laufe der siebziger Jahre die Forderung nach einer Zweierformation zur Vorstellung des Waffensystems. Sowohl MFG 1 als auch MFG 2 unternahmen 1979 erste Schritte in diese Richtung, ihre Flüge im In- und Ausland fanden breite Zustimmung. Bei den „Eggebekern" waren es die Kapitänleutnante Lothar Martin, Ingomar Suhr, Jürgen Tank und Karsten Wichert, die begeisternde Pionierarbeit leisteten. Nach dem tödlichen Absturz des Kapitänleutnants Manfred Stürmer vom MFG 1 beim Landeanflug in Yeovilton/Großbritannien am 3. August 1979 stellten die Marineflieger zunächst weitere Vorführungen ein. Erst 1983, anläßlich eines Flugtages in Eggebek beim MFG 2, wurde erneut ein Starfighter-Duo gebildet. Zielrichtung war hierbei die Demonstration taktischer Flugmanöver mit dem Schwerpunkt auf horizontalen Flugbewegungen. Das Team nannte sich „Vikings", die Flugzeugführer waren Korvettenkapitän Ingomar Suhr (Lead) und Kapitänleutnant Manfred Schulze (Nummer Zwei) sowie Korvettenkapitän Lothar Martin als Ersatzmann. Die achtminütige Vorführung wurde sowohl von den Besuchern des Flugtages als auch von der Marinefliegerführung begeistert aufgenommen. Im Laufe der folgenden Jahre wurde das Programm leicht abgeändert und auf zwölf Minuten erweitert.

In den Jahren der „Vikings" (1983-1986) waren neben den drei Gründungspiloten folgende Flugzeugführer Team-Mitglieder: Kapitänleutnant Siegfried Schmidt, Kapitänleutnant Hagen Haar, Kapitänleutnant Axel Östermann, Lieutenant Robert E. Hummel (US-Navy-Austauschpilot), Öberleutnant zur See Dietrich König und Öberleutnant zur See Benno Ganster.

Die „Vikings" erwiesen sich als wahre Publikumsmagneten und waren auf vielen Flugtagen gern gesehene Gäste. Während einer USA-Rundreise beeindruckten sie beispielsweise bei einer Flugschau in Moffett Field bei San Francisco mehrere hunderttausend Zuschauer. Für die Ietzten fünf Vorführungen erhielten die Flugzeuge eine blau-weiß-rote Sonderbemalung, die Farben Schleswig-Holsteins. Beim „Tag der offenen Tür" des JG 74 „M" in Neuburg/Donau am 27. September 1986 waren die „Vikings" das letzte Mal zu bewundern.

In den wenigen Jahren ihres Bestehens vertraten sie die Marineflieger und die Bundeswehr in würdiger Form, das Verständnis der Bevölkerung für die Militärfliegerei wurde durch sie erweitert und das Bild des Starfighters nach vielen Jahren der Fehleinschätzung verbessert.

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Formationstraining in der Aufbauphase des F-104-Teams Anfang 1962.

Die “Vikings” in der Sonderbemalung der letzten fünf Vorführungen 1986.

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Die beiden „Viking"-Piloten der Ietzten Vorführung in Eggebek am 11. September 1986, Kapitänleutnant Ostermann (links) und Kapitänleutnant Haar.

Fregattenkapitän Axel Ostermann, „Viking"-Pilot von 1985 bis 1986, erinnert sich:

„Als mir die Hundertvier ihre Grenzen zeigte"

„Vor dem Flug galt es, das Programm genauestens durchzusprechen. Nicht, das es immer ein neues war, aber bei der eigentlich nicht für solche Flüge geeigneten 104 war es immer wieder wichtig, sich die kritischen Punkte des Programms vor Augen zu führen. Die Tatsache, daß es möglich war, die 104 an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit in einer solchen Weise zu präsentieren,hat viel Bewunderung für das Flugzeug mit den „Stummelflügeln" hervorgerufen.
Jeder von uns hatte das berühmte Kribbeln in den Fingern, wenn endlich die Startfreigabe kam. Power(1) auf 100 Prozent, Checken(2) der Instrumente, Klarzeichen des Wingman(3) und mit dem Kopfnicken des Lead(4) wurden die Bremsen gelöst und der Nachbrenner gezündet. Manchmal, nach einem Regen, rutschten die leichten Maschinen; dann verzichteten wir auf einen vollständigen Bremstest.
Das Beeindruckendste in der Startphase war die unglaubliche Beschleunigung der cleanen(5) 104, der kompromißlose Stoß ins Kreuz, endlich die ungebremste Kraft des J-79 Triebwerks zu spüren. Während des Take-Off-Run(6) gab der Lead durch leichtes Reduzieren der Power seinem Mitflieger die Chance, dran zu bleiben. Nur kurze Zeit stand zur Verfügung, um die lnstrumente zu checken. Die Anordnung der wichtigsten war so, daß man mit einem Blick sehen konnte, ob alles im grünen Bereich war. Mehr Zeit hatte man nicht. Falls ein Zeiger im roten Bereich war, brach der jeweilige Pilot ohne weitere Ursachenforschung den Flug sofort ab, während der andere ein Soloprogramm einlegte. Es kam nur zweimal vor.
Nicht lange, und die Maschinen hoben ab. Dann stellte sich die bange Frage: 1st der Wingman noch da? Im Spiegel konnte man als Lead das meistens sehen; nur wenn der Wingman gerne so tief flog wie manchmal Sigi Schmidt, bekam man doch ab und zu einen Schreck. Hinzu kam der kritische Moment der Abwahl des Nachbrenners, wenn jeder das Schließen der Nozzle(7) checkte. Einmal, in Fairford / England, hatte Sigi tatsächlich Triebwerkprobleme, fiel zurück und mußte das Programm abbrechen. Ich merkte eine ganze Weile nichts davon, well ich glaubte, er würde wie immer unterhalb von mir fliegen. In solchen Fallen wurde dann wieder das Soloprogramm geflogen.
In geschlossener Formation folgte nun ein Turn(8) nach Backbord mit 4 G's, um anschließend in einem rechten Teardrop(9) entgegengesetzt der Startrichtung mit 500 Knoten über die Runway(10) zu fliegen. In der Startbahnmitte dann ein 90 Grad Turn weg von den Zuschauern und auf Kommando des Lead trennten wir uns, der Split(11). Dies war eine wichtige Phase, denn ein zu früh initiierter Split sorgte immer für Probleme. Bei unserer letzten Vorführung in Eggebek leitete Hagen Haar als Lead den Split zu früh ein und versuchte dies durch einen sehr engen Turn zu kompensieren. Dabei kam es fast zum Stall(12), denn ihm fehlte auch die notwendige Geschwindigkeit. Den anwesenden Experten fiel dies natürlich sofort auf, die Laien merkten davon nichts. Ähnliches passierte Sigi in Moffett/USA. Damals dauerte es lange, bis wir uns wieder fanden. Wie gesagt, solche Fehler passierten, aber kaum ein Zuschauer bemerkte das, well wir in unserem Programm fortfuhren und eine alte Fliegerregel beherzigten: Vergiß das, was war, konzentriere dich auf das, was kommt. Bei uns hätte man noch hinzufügen können: Und mache das Beste daraus.

Der Split mußte sauber geflogen werden, d.h. beide Flugzeuge mußten in der gleichen Zeit exakt die gleiche Querlage einnehmen und die gleichen G 's ziehen. Meistens schafften wir dieses Kunststück nicht, so daß einer den Climb(13) flacher ausführte und dadurch etwas später seine Höhe von 1500 Fuß erreichte als der andere.
Nach dem Split war es nötig, sich über Funk zu verständigen. Lead und Wingman gaben alle 90 Grad Kursänderungen einen kurzen Call(14) ab. So wußte jeder, wie welt der andere mit seinem Turn ist, vorausgesetzt, beide flogen ihn mit 4 - 5 G's. Mit Benno Ganster hatte ich immer das Problem, dab er mehr G's zog als ich. Dadurch war er 2 - 3 Sekunden eher am Threshold(15) der Runway. Zum Glück hatte die 104 einen sofort zündenden, zuverlässigen Nachbrenner, so daß solche Unsauberheiten problemlos behoben werden konnten. Ziel unseres Head-On-Passes(16) war es ja, sich vor den Zuschauern, deren Mittelpunkt leider nicht immer mit dem der Runway übereinstimmte, zu treffen. Dabei hatte jeder von uns strikt seine Runway-Hälfte einzuhalten.

Der erste Head-On-Pass erfolgte als Pop-Up(17), der von beiden über Funk angesagt wurde, ein letzter Hinweis über das Timing des Partners. Dann hatte man eventuell noch die Möglichkeit, das eigene Manöver durch mehr oder weniger G's dem Mitflieger anzupassen. Nach dem Pop-Up schauten wir dann nach vorne und sahen auch bald die andere Maschine. Manchmal flogen wir bei unseren Minimumsichten von 5 km; dann war es besonders wichtig, die eigene Startbahnhälfte einzuhalten, denn die 104 war durch ihren kleinen Querschnitt bei diesiger Sicht von vorne kaum auszumachen. Die Annäherungsgeschwindigkeit war ja weit mehr als 1500 km/h. Kurz vor dem Apex, querab zueinander, rollten wir die Maschinen auf den Rücken, vollendeten die Rolle, und es folgte der Pull-Out(18). Bei bestimmten Wetterlagen mit hoher Luftfeuchtigkeit war dieses Manöver für die Zuschauer besonders schön anzusehen, well dann unsere 104-s weiße Streifen, verursacht durch Verwirbelungen an den Wing-Tips (19), hinter sich herzogen. In der Normalkonfiguration mit Tip-Tanks gab es das nicht.
Jeder flog nun einen Teardrop mit 4 - 5 G's, 450 Knoten in 1500 Full Wieder verständigten wir uns über Funk und kamen uns alsbald wieder über der Runway entgegen. Nach dem Sinkflug hielten wir unsere Höhe von 200 Fuß und rollten querab ineinander, wobei der Lead die Power auf 250 Knoten reduzierte, notfalls die sehr effektiven Speedbrakes(20) benutzte. Der Wingman setzte sich für ein weites Pattern(21) außerhalb der Zuschauersicht ab, während der Lead ein Pattern mit Landing Gear(22) und Land Flaps(23) flog und in 300 Fuß der Startbahnmitte folgte. In dem Augenblick, wo die Zuschauer ihm nachsahen und ihre Köpfe nach rechts schwenkten, kam der Wingman mit über 600 Knoten - dadurch war er auch erst sehr spat zu hören - von links, unterflog den Lead, zog die Maschine mit 6 - 7 G's nach oben und drehte, je nach Laune des Piloten, mehrere Rollen.

Unvergeßlich für mich ist der Underpass(24) von Sigi in Fairford, als er im transsonischen Bereich unter mir durchkam: Sein Flugzeug war durch die entstandenen Verwirbelungen weiß wie ein Schneeball und schoß wie ein Komet, sehr schön anzusehen, in den Himmel. Mein Flugzeug schüttelte sich und ich befürchtete das Schlimmste. Hinterher am Boden war die Begeisterung der Leute immer noch zu spüren. Die Veranstalter gaben uns dagegen einen Rüffel. Sigi hatte das typische Ausschlagen des Zeigers am Airspeed Indicator(25) nicht bemerkt. Glücklicherweise kam es damals nicht zum vollständigen Durchbrechen der Schallmauer. Benno flog den Underpass auch sehr gerne, und man merkte es leider manchmal auch an der überzogenen Maschine. Sein Rekord lag bei 8,5 G's, für die alte Dame 104 schon recht ordentlich.

Nach dem Underpass flog der Lead wieder auts Downwind(26), und der Wingman stürzte sich von oben herunter, um rechtzeitig vor dem Final Turn(27) in Formation zu sein. Oft überschoß er dabei, aber durch ein frühzeitiges Einleiten des Turns war auch das kein Problem. An fangs war es, vor allem bei schlechteren Sichten, sehr ungewohnt und manchmal schwierig, den Lead wiederzufinden. Dieser konnte - weil erja nicht gegen den Boden, sondern in den hellen Himmel guckte - den Wingman jedoch immer in seine Richtung dirigieren.

Nach dem gemeinsamen Final Turn drifteten wir auseinander und flogen mit 600 Knoten in Richtung Runway. Querab zu den Zuschauern zogen wir mit 5 G's hoch und trennten uns wieder. Anfangs machten wir das lediglich mit einem Turn, später rollten wir ohne G 's ineinander, und nach einem Dreiviertel der Rolle kam der Split. Jeder flog auf seiner Seite ein Landing Pattern, und im Final Turn trafen wir uns wieder mit heruntergelassenem Fahrwerk und Landeklappen. Es folgte ein aus der Not geborenes Manöver, der Touch and Go(28). Dabei landete eine Maschine und startete durch, während die andere gleichmäßig und sehr tief nebenherflog. Wir hatten das mal in Bournemouth/ England probiert, well die Sichten für unsere Head-On-Passes zu schlecht waren, und um überhaupt etwas bieten zu können, flogen wir also diesen Touch and Go. Das kam bei den Zuschauern so gut an, dab wir ihn fest ins Programm einbauten.

Nach dem Touch and Go beschleunigten wir auf dem Downwind auf 600 Knoten, flogen den Final Turn zusammen, und in enger Formation ging es mit 5 G's nach oben, bis der halbe Looping geschafft war. In dieser Phase war es wichtig, dab der Wingman die an und für sich sehr stabile 104 nicht durch unregelmäßige G-Belastung aufschaukelte. Oben angekommen änderten wir das Manöver in eine halbe Cuban Eight. Zwischen Benno und mir gab es endlose Diskussionen, nach welcher Seite man dabei besser rollen sollte, weg vom oder in den Wingman. Er wollte das letztere, und so machten wir es. Schließlich war er der Betroffene. Bei diesem Manöver verließen wir immer die Kontrollzone des Flugplatzes nach oben, well die 104 sich in ihrer Steigleistung wie eine Rakete benahm. Der Buick auf den sich schnell drehenden Zeiger des Altimeters(29) konnte einen schwindlig machen. In Leicester/ England unterschätzten wir dabei eine dichte Wolkendecke. Dietrich König, mit dem ich damals das Programm flog, war auf einmal spurlos verschwunden. Er landete dann fünf Minuten spa ter. Safety first. In der Regel schraubten wir uns aber aus knapp 10000 Fuß in einem Teardrop zu einer Formationslandung nach unten. Die Bremsschirme benutzten wir immer, auch bei langen Startbahnen, well die 104 damals eines der Ietzten Flugzeuge war, das noch eine solche Vorrichtung benutzte. Genau das wollten die Zuschauer sehen. Einmal hatten wir sie in den Landesfarben des Gastgebers färben lassen, was besonders gut ankam. Trotz der umständlichen Art der Bremsschirm-Auslösung gab es nie Probleme, die Schirme beim Kommando „Chute" gleichzeitig zur Entfaltung zu bringen. Auf fast alien Plätzen, die wir besuchten, mußten wir selbst packen und verstauen. Das war bei dem kleinen Bremsschirmbehälter der 104 nicht immer einfach.

Nach getaner Arbeit gab es noch ein paar weitere Dinge zu erledigen - Auftanken, Sauerstoff auffüllen, Koordinaten eindrehen, Batterie abklemmen, Cockpit schließen - und dann wurde die Vorführung bei einem Glas Bier besprochen. Es gab keinen Flug, der absolut fehlerfrei war. Das ließ unser eigenwilliges Flugzeug nicht zu. So mancher Fluch kam im Cockpit über meine Lippen, aber nicht, well das Flugzeug mich enttäuscht hatte, sondern well die 104 mir oder einem meiner Partner mal wieder ihre Grenzen gezeigt hatte. Und dann durfte man sie nicht mehr reizen, sondern mußte ihre Warnungen beherzigen. Kein Flugmanöver hat mir das so verdeutlicht wie das Programm der „Vikings". Nach unserer letzten Vorführung in Neuburg/Donau fiel mir deshalb auch ein Stein vom Herzen."

Erfäuterungen:

1 -

Power/Triebwerkleistung

17 -

Pop-Up/Schneller Steigflug

2 -

Checken/Prüfen

 

auf größere Höhe

3 -

Wingman/Flügelmann

18 -

Pull-Out/Abfangen

4 -

Lead/Führer

19 -

Wing-Tips/Flügelspitzen

5 -

Clean/Flugzeug ohne Außenlasten

20 -

Speedbrakes/Luftbremsen

6 -

Take-Off-Run/Start

21 -

Pattern/Platzrunde

7 -

Nozzle/Schubdüse

22 -

Landing Gear/Fahrwerk

8 -

Turn/Kurve

23 -

Land Flaps/Klappen

9 -

Teardrop/Ümkehrkurve

 

in Landestellung

10 -

Runway/Start- bzw. Landebahn

24 -

Ünderpass/Ünterfliegen

11 -

Split/Trennung

25 -

Airspeed Indicator/Fahrtmesser

12 -

Stall/Überziehen, Strömungsabriß

26 -

Downwind/Gegenanflug

13 -

Climb/Steigflug

27 -

Final Turn/Endanflugkurve

14 -

Call/Funkspruch

28 -

Touch and Go/Landung

15 -

Threshold/Schwelle

 

mit Durchstarten

16 -

Head-On-Pass/Frontaler Vorbeiflug

29 -

Altimeter/Höhenmesser

 

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Nach der Landung am 14. August 1983 während des „Tages der offenen Tür" der Marineflieger in Eggebek wird Korvettenkapitän Suhr von Flottillenadmiral Dubois, dem Kommandeur der Marinefliegerdivision, nach der ersten offiziellen Vorführung der „Vikings" begrüßt. Rechts Kapitän zur See Stief, der Kommodore des MFG 2.

Als einem der Ietzten F-104 Flugzeugführer der Bundeswehr überhaupt war es jedoch Oberstleutnant Armin Ewert von der WTD 61 in Ingolstadt-Manching vergönnt, den Starfighter in einer Einzeldemonstration auf Flugtagen im In- und Ausland im Jahre 1988 vorzustellen.

Nachdem die F-104 die Einsatzverbände der Luftwaffe und der Marineflieger verlassen hatte, war für viele der Anblick eines Starfighters im Rahmen einer gelungenen Flugvorführung ein schöner und denkwürdider Augenblick.

F-104G, geflogen von Oberstleutnant Ewert, am 28. August 1988 im Rückenflug über Nörvenich.

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